Vom hellsten Ton bis zur schwerdunklen Tiefe
Pindakaas Saxophon-Quartett entführt in sechs Jahrhunderte Musikgeschichte
THURNAU. Reisen heißt entspannt Neues kennenlernen, sich auf Überraschendes einlassen, in vollen Zügen Gesehenes und Gehörtes genießen. Und dabei wieder einmal das Alltägliche, Vertraute und vielleicht auch arg Eingefahrene zur Seite zu schieben.
Wer dem "Voyage" titulierten Kunstgenuss im Kutschenhaus des Thurnauer Schlosses gefolgt
war, konnte sich glücklich schätzen, die richtige Route eingeschlagen zu haben.
Denn das Pindakaas-Saxophon-Quartett, vom Verein Kultur in Thurnau eingeladen, bescherte den Besuchern einen außergewöhnlichen, überaus reizvollen Abend mit einem Instrument, dessen virtuoses Klangbild und Tonreichtum Aufsehen erregte und zuweilen die Grenzen des Möglichen zu überwinden schien.
Mattias Schröder (Baritonsaxophon), Anja Heix (Tenorsaxophon), Guido Grospietsch (Altsaxophon) und Marcin Langer (Sopransaxophon) führten durch sechs Jahrhunderte Musikgeschichte mit solcher Leichtigkeit, Eleganz und der absoluten Beherrschung selbst schwierigster Variationen, dass dem Publikum nichts anderes übrig blieb, als sich schließlich bei den vier sympathischen Interpreten mit ausdauerndem, lautstarken Beifall zu bedanken.
Fulminante Schlussparts
Es betörte fast die Flexibilität und flockige Elastizität des Ensembles, diese perfekte Umsetzung des Rhythmus, diese punktgenauen Einsätze und fulminanten Schlussparts. Im AgincourtSong aus dem 16. Jahrhundert wurden mittelalterliche Fanfarenstöße und Zinken in kampfeslustiger Manier ausgebreitet, später orchestrale Paukenschläge mit dem Contrapunctus aus der Kunst der Fuge von Johann Sebastian Bach.
Die international renommierten Künstler wussten in jeder Situation den unvergleichlichen hellsten Ton des Sopransaxophons bis zur schwerdunklen Tiefe des Baritonsaxophons zu interpretieren. Und das in einer ständig sich ändernden Stilrichtung - eine immense Aufgabe.
Einem makabren Zug ins Jenseits mit dem Trommler voran glich der Totentanz von Bastian Fiebig, das langsame Verstummen der Instrumente in zarter Enthaltsamkeit über das Unausweichliche erfüllte die Zuhörer mit leichtem Schaudern. Pindakaas kann Stimmungen wundervoll vermitteln, wie anschließend bei "Golliwog's CakeWalk" von Claude Debussy in jazzig angedeuteter Brillanz oder die spanischen Elemente aus der "Suite Espafiola". Das wohl interessanteste Stück des Abends war der "Chinese Rag" von Jean Matitia. In kleinen, trippelnden Schritten kamen die Tonfolgen spielerisch daher. Den Schalk der vier spürte man hinter nahezu jedem Ton. hw
Nordbayerischer Kurier, 12. April 2011

Nordbayerischer Kurier, 12. April 2011