
Saxophon passt auch bei Bach
Jahresprogramm derGoethe-Gesellschaft endet mit Auftritt des
Pindakaas-Quartetts in der Jahnhalle
Nordenham. Eine Bachsche Fuge für Saxophon arrangiert, ein Tango ganz ohne Bandoneon, dafür aber für vier Bläser - geht beides wunderbar. Das Pindakaas Saxophon Quartett unternahm am Montag in der Jahnhalle einen Streifzug durch die Musikgeschichte und -stile. Das große Publikum ging gern mit auf die Reise.
Wie in jedem Jahr beschloss die Goethe-Gesellschaft Nordenham ihr Programm auch diesmal wieder mit etwas Leichtem und dennoch Gediegenem.
Die drei Männer und eine Frau von Pindakaas entpuppten sich am Montagabend schnell als eine gute Wahl. Sie verbanden spielerisches Können mit launigen Ansagen.
Das Programm "Voyage" - Von der Klassik bis zum Jazz" stellte Kompositionen aus einem Zeitraum von sechs Jahrhunderten vor.
Und das, obwohl das Saxophon erst im 19. Jahrhundert entwickelt wurde. Doch Marcin Langer (Sopran-und Altsaxophon), Guido Grospietsch (Altsaxophon),
Melanie Werner (Tenorsaxophon) und Matthias Schröder (Baritonsaxophon) ließen sich zu Recht durch die relative Jugend ihres Instruments nicht davon abhalten, sich auch Musik aus dem ausgehenden Mittelalter und dem Barock zu widmen.
IIm ersten Teil des Konzerts, der ganz den "ernsthaften" Komponisten gewidmet war, erklangen so unter anderem Präludium und Fuge Nr. 2 von Johann Sebastian Bach, ursprünglich für Klavier oder Cembalo, arrangiert für vier Saxophone: unverkennbar
Bach, doch mit einem ungewohnten Klangbild.
FLATTERNDE SCHMETTERLINGE
Von Bach sprang das Quartett beherzt ins 20. Jahrhundert. Passgerecht für vier Saxophone komponiert, überzeugte Faustin Jeanjeans Quartett, in dem - wie in den Titeln versprochen - die Schmetterlinge flatterten und flirrten und die Menge beim Konzert auf dem Marktplatz hin und her wogte. Werke von Debussy, Poulenc, Albeniz und Matitia sowie zwei sehr bildhafte Stücklein von Jacques Ibert vervollständigten
den musikalischen Reigen. So richtig zu ihrem Recht kamen die Saxophone nach der
Pause im "unterhaltsamen'" Teil des Konzerts. Pindakaas begannen mit drei Stücken aus der "Kleinen Dreigroschenmusik für Blasorchester" von Kurt Weill.
Aus der gleichen Zeit, allerdings tiefer aus dem Gebiet der leichten Muse, stammte das Medley von Comedian-Harmonists-Melodien.
Ein Höhepunkt waren anschließend die Interpretationen von bekannten Henry Mancini Kompositionen. "Pink Panther" und "Baby Elephant Walk" rissen das Publikum 'hin.' Jazzig wurde es beim Klassiker "Take Five", zumeist in der Version von Dave Brubeck bekannt. .Wie wunderbar die Musik Astor Piazzollas ist, führte das Quartett gleich doppelt vor. Sowohl "Oblivion" als auch "Libertango" gaben den Musikern Gelegenheit, ihre spielerische Klasse und ihr Musikverständnis eindrucksvoll zu demonstrieren. Wer glaubte, nur mit Bandoneon könne
ein Tango herzzerreißend klingen, wurde hier eines Besseren belehrt.
Für frohe Stimmung zum Schluss garantierten die traditionellen jüdischen Klezmer-Titel, die das offizielle Programmende markierten.Doch das Publikum gab sich damit nicht zufrieden. Die Titelmelodieder "Raumpatrouille Orion", der Kinks-Titel "Sunny Afternoon" und "La-le-lu" kamen da als Zugaben gerade richtig. Gut gelaunt verabschiedeten sich Goethianer und Gäste danach und waren sich einig:
Ein netter Abend war's.
Ellen Reim
Kreiszeitung Wesermarsch, 30. Dezember 2009