Vier Musiker für jede Tonart
Saxophon-Quartett „Pindakaas” begeistert in der Werretalhalle
Von Jana Winde (Text und Foto)
Löhne (LZ). Wer hätte gedacht, dass Töne personifiziert werden können?
Die vier Saxophonspieler vom Ensemble »Pindakaas« bewiesen dies eindeutig.
Die Töne flatterten wie Schmetterlinge, waren bockig wie ein Esel, klapprig wie ein
Hampelmann oder tollpatschig wie ein Babyelefant. Am Sonntagabend in der Werretalhalle schien alles möglich zu sein.
Unter dem Oberthema "Voyage - Reise durch die Jahrhunderte" führten die Musiker Marcin Langer am Sopran-, Guido Grospietsch am Alt-, Anja Heix am Tenor- und Matthias Schröder am Baritonsaxophon das
begeisterte Publikum durch die verschiedenen Epochen und Musikstile. Angefangen mit Barock und Renaissance ging
es weiter über die klassischen Melodien von Johann Sebastian Bach, dann nach Spanien zu den Klängen von Isaac Albeniz, Antonio Vives und Eugene Joseph Bozza, der mit seiner hölzern klapprigen Musik die Zuhörer in die Welt von Pinochio entführte. Die Töne schienen
wie der hölzerne Mann über Stock und Stein zu klappern und Entdeckungen zu machen, ohne dabei jedoch auch nur im Geringsten an Klangstärke und Ausdruck zu verlieren.
Ähnlich einfühlsam brachten die vier Musiker das Stück "Papillons" von Faustin Jean Jean herüber.
Durch schnelle, hohe Töne kam besonders die Leichtigkeit der Schmetterlinge zum Ausdruck,
die völlig wirr durch den Saal zu flattern schienen. Überall waren sie, immer wieder tauchten sie in einer Ecke auf. Die vier Saxophone erreichten einen Klang, der den Saal in eine andere Welt zu tauchen schien.
Der Zuhörer mit geschlossenen Augen hatte sogar das Gefühl, in einem Meer von Tönen dahin getragen zu werden und nicht einem Ensemble, von vier Saxophonisten zu lauschen.
Und inmitten dieses Flusses von Tönen tauchten immer wieder flinke, schnelle Klänge,
meist in Form von Tonleitern auf, die einen einzelnen Schmetterling im Schwärm herausblitzen ließen.
Besonders beeindruckend war die Artikulation der Zungen der Künstler, die zwar nicht zu sehen, aber deutlich zu hören war. Was nämlich die schnell-tanzenden Finger auf den Klappen leisten mussten, hatte die Zungegenau so zu tun.
Im zweiten Teil des Programms überzeugten, die Saxophonisten mit moderneren Klängen des deutschen Komponisten Kurt Weill, jiddischen Traditionals und einem Medley der Comedian Harmonists. "
Wir versuchen, die fehlende fünfte Stimme durch Vehemenz auszugleichen", versprachen sie vorher und hielten dies auch ein.
Kaum verwunderlich, dass nach dem Schlussakkord der Applaus kein Ende fand. Doch genauso wie das Publikum schienen auch die vier Musiker großen Spaß an diesem Abend gehabt zu haben, was sie auch mehrmals
betonten: "Und wir dachten immer, die Ostwestfalen würden sich nicht so mitreißen lassen."
Als Belohnung gab es dann drei Zugaben, eine beeindruckender als die andere, bei denen das Publikum vollkommen mitgerissen im Takt mitklatschte, "das Besondere an uns ist unsere Vielseitigkeit",
sind sich die vier Musiker einig. "Wir haben zahlreiche verschiedene Programme,
da wir klanglich mit vier Saxophonen unglaublich viel machen können."
Und am Ende verriet das Quartett sogar noch, wieso es sich den ungewöhnlichen Namen "Pindakaas" ausgesucht hat. "Das kommt aus dem Holländischen und heißt Erdnussbutter.
Es hat rein gar nichts mit unserer Musik zu tun, sondern zeigt einfach unsere humorvolle Seite."

Löhner Zeitung, 27. Februar 2007