Saxophon nur für Jazz?

Das „Pindakaas Saxophon Quartett” verblüffte das Rheinfelder Publikum


Die Reihe aussergewöhnlicher Konzerte in der reformierten Kirche Rheinfelden erhielt einen weiteren Glanzpunkt.
Das „Pindakaas Saxophon Quartett” aus Münster, Westfalen spielte ein Programm mit dem Obertitel „Kinderszenen”. Keineswegs kinderleicht und keineswegs nur für Kinder, begann das vergnügliche Programm mit Musik der Renaissance und endete mit Filmmusik und Jazz-Ballade.


Westfalen.
Kurt.]. Rosenthaler
Wer sagt denn, das Saxophon sei ein Jazz-Instrument? Und wer sagt denn, Saxophone tönen laut und heiser? Natürlich tun sie das, aber nicht immer.. Ein Sonntagabend, der milder nicht hätte sein können, mit zarten, warmen, schmeichelnden, fröhlichen und schrägen Saxophon-Tönen in der Kirche. Kantor Rolf Haas und der Musik- und Kulturkommission der Reformierten Kirchgemeinde Rheinfelden ist es wieder gelungen, ein aussergewöhnliches Ensemble nach Rheinfelden zu holen: das Pindakaas Saxophon Quartett. Dieses besteht aus Marcin Langer, Sopransaxophon, Guido Grospietsch, Altsax, Robert Schade, Tenorsax und Matthias Schröder, Baritonsaxophon.

Was sagt das Lexikon?
Über das Saxophon liest man im Lexikon: «Saxophon, das, Blasinstrument aus Blech mit Klarinetten-Mundstück, entwickelt um 1840 vom belgischen Erfinder Adolphe Sax (1814- 1894); 1846 ganze Saxophon-Familie (14 Instrumente) patentiert; 1845 erstmals in fanzösischen Infanteriespielen benützt; um 1915 erscheint es im Jazz, seither typisches Jazz-Instrument, vor allem Alt- und Tenorsaxophon; während der klassischen Swing-Aera wichtigstes Soloinstrument.» - Über das Pindakaas Saxophon Quartett vernimmt man, dass«Pindakaas» auf Niederländisch «Erdnussbutter» heisst, was bedeutet, dass schon dem Namen der tierische oder besser: musikalische Todernst entzogen ist; ein Ernst, der den klassischen Musik-Ensembles oft anhaftet.

Vier brillante, virtuose Musiker
Die vier Musiker taten sich 1990 zusammen und seither musizieren und arrangieren sie erfolgreich zusammen. Die vier Freunde sind: Marcin Langer, geboren 1956 in Beuthen, Musikstudium in Duisburg. Freiberuflicher Musiker und Musikpädagoge in Essen, Konzerttätigkeit in Jazz und Klassik, Komponist und Arrangeur.
Guido Grospietsch, geboren 1962 in Duisburg, Musikstudium in Duisburg. Ebenfalls freiberuflicher Musiker und Musikpädagoge in Duisburg. Spielt Konzerte im Bereich Pop und Rock, improvisierte Musik und Klassik. Robert Schade, geboren 1960 in Dinslaken, Musikstudium in Essen, Dortmund und Arnheim. Spielt in Big Bands, Pop-Gruppen und Musicals und ist auch Musikpädagoge. Dr. phil. Matthias Schröder, geboren 1969 in Oberhausen, studierte Geschichte und Publizistik in Bochum und Münster, Konzerttätigkeit in Jazz- und Klassik-Ensembles. Er ist freiberuflicher Musiker, Musikjournalist und Kulturmanager in Münster.

Perfekt, virtuos, auch schräg
Wer nun eine Ladung akademischer, abgehobener Musik erwartete, täuschte sich. Die Ladung war zwar geballt und perfekt abgestimmt und virtuos vorgetragen, aber zudem der Programmwahl her äusserst abwechslungsreich, auch mal vergnüglich oder etwas schräg. Dazu mit kurzen, kauzigen Kommentaren oder Zitaten aus der Literatur gespickt, zum Beispiel Wilhelm Busch oder Bertolt Brecht. Von Letzterem zum Beispiel der Schluss eines Verses: «Kartoffeln sind gesund. Ein Kind hält den Mund.» Hm.

Tönt wie Streicher oder Orgel
Kindermusik, so der Kommentar, kann zweierlei bedeuten: Musik für Kinder oder aber Werke, welche die Kindheit zum Thema haben. Das Programm begann mit Renaissance-Musik von Orlando di Lasso (1532-1594) und Clement Jannequin (1480-1560), führte über die Romantik von Robert Schumann (1810-1856) mit seinen Kinderszenen und dem Album für die Jugend, über Peter Tschaikowsky (1840-1893) zu Bela Bartök (1881-1945) und dessen Heften «Für Kinder» , in welchen ungarische Volksmusik einfliesst. Alle Stücke wurden von Marcin Langer und Guido Grospietsch bearbeitet und vom Pindakaas Saxophon Quartett so verblüffend intoniert, dass man stellenweise tatsächlich glauben konnte, man hät te ein Streich-Kammerensemble oder eine Orgel vor sich.

Eine «Gameboy-Fantasy» von Marcin Langer
Jetzt folgte vom Sopransaxophonisten Marcin Langer die «Gameboy-Fantasy». «Seit etwa 10 Jahren traktieren uns die Kinder mit diesen Gameboys... Was kompositorisch in diesen Spielen vor sich geht, ist nicht von schlechten Eltern!», stellen die Musiker in ihrem Kommentar fest. Langer nimmt die Art dieser Töne auf und überführt sie in ein kurzweiliges, lustiges, modernes Klangbild. Eine ausgezeichnete Idee, eine wunderbare Komposition, eine brillante Interpretation. Vom französischen Impressionisten Claude Debussy (1862-1918) sodann die verträumte Flötenmusik «Der kleine Schafhirte» und der Ragtime «Hampelmanns Tanz» aus «Children's Corner», dann die frechen, zirkusartigen Melodienvorgetragen, aus «Villageoises» von Francis Poulenc (1899-1963).

Tango und Jazz

Romantische spanische Musik von Antonio Vives (1887-1932) und vom argentinischen König des Tangos, Astor Piazzolla (1921-1993) ein Tango, der ursprünglich natürlich mit dem Bandoneon gespielt wird. Und das begeisterte Publikum wurde schliesslich mit drei Zugaben be- schenkt: von Jean Matitia (geboren 1952) der parodistische «Chinese Rag», dann der «Baby Elephant Walk» vom Italo-Amerikaner Henry Mancini (der unter anderem auch die Filmmusik zu «Pink Panther» und «Breakfast at Tiffany's» schrieb). Allerletzte Zugabe war die lyrische Ballade «Round Midnight» vom grossen Jazz-Pianisten Thelonious Monk (1920-1982).

Wer diesen Sonntag- abend verpasst hat, ist wirklich selber schuld.


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das Quartett
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rot Fricktaler Zeitung (Rheinfelden/Schweiz) 04.04.2003