Saxophon nur für Jazz?
Das „Pindakaas Saxophon Quartett” verblüffte
das Rheinfelder Publikum
Was sagt das Lexikon?
Über das Saxophon liest man im Lexikon: «Saxophon,
das, Blasinstrument aus Blech mit Klarinetten-Mundstück, entwickelt um
1840 vom belgischen Erfinder Adolphe Sax (1814- 1894); 1846 ganze Saxophon-Familie
(14 Instrumente) patentiert; 1845 erstmals in fanzösischen Infanteriespielen
benützt; um 1915 erscheint es im Jazz, seither typisches Jazz-Instrument,
vor allem Alt- und Tenorsaxophon; während der klassischen Swing-Aera
wichtigstes Soloinstrument.» - Über das Pindakaas Saxophon Quartett
vernimmt man, dass«Pindakaas» auf Niederländisch «Erdnussbutter»
heisst, was bedeutet, dass schon dem Namen der tierische oder besser: musikalische
Todernst entzogen ist; ein Ernst, der den klassischen Musik-Ensembles oft
anhaftet.
Vier brillante, virtuose Musiker
Die vier Musiker taten sich 1990 zusammen
und seither musizieren und arrangieren sie erfolgreich zusammen. Die vier
Freunde sind: Marcin Langer, geboren 1956 in Beuthen, Musikstudium in Duisburg.
Freiberuflicher Musiker und Musikpädagoge in Essen, Konzerttätigkeit
in Jazz und Klassik, Komponist und Arrangeur.
Guido Grospietsch, geboren 1962 in Duisburg, Musikstudium in Duisburg. Ebenfalls
freiberuflicher Musiker und Musikpädagoge in Duisburg. Spielt Konzerte
im Bereich Pop und Rock, improvisierte Musik und Klassik. Robert Schade, geboren
1960 in Dinslaken, Musikstudium in Essen, Dortmund und Arnheim. Spielt in
Big Bands, Pop-Gruppen und Musicals und ist auch Musikpädagoge. Dr. phil.
Matthias Schröder, geboren 1969 in Oberhausen, studierte Geschichte und
Publizistik in Bochum und Münster, Konzerttätigkeit in Jazz- und
Klassik-Ensembles. Er ist freiberuflicher Musiker, Musikjournalist und Kulturmanager
in Münster.
Perfekt, virtuos, auch schräg
Wer nun eine Ladung akademischer, abgehobener Musik erwartete, täuschte
sich. Die Ladung war zwar geballt und perfekt abgestimmt und virtuos vorgetragen,
aber zudem der Programmwahl her äusserst abwechslungsreich, auch mal
vergnüglich oder etwas schräg. Dazu mit kurzen, kauzigen Kommentaren
oder Zitaten aus der Literatur gespickt, zum Beispiel Wilhelm Busch oder Bertolt
Brecht. Von Letzterem zum Beispiel der Schluss eines Verses: «Kartoffeln
sind gesund. Ein Kind hält den Mund.» Hm.
Tönt wie Streicher oder Orgel
Kindermusik, so der Kommentar, kann zweierlei bedeuten: Musik für Kinder
oder aber Werke, welche die Kindheit zum Thema haben. Das Programm begann
mit Renaissance-Musik von Orlando di Lasso (1532-1594) und Clement Jannequin
(1480-1560), führte über die Romantik von Robert Schumann (1810-1856)
mit seinen Kinderszenen und dem Album für die Jugend, über Peter
Tschaikowsky (1840-1893) zu Bela Bartök (1881-1945) und dessen Heften
«Für Kinder» , in welchen ungarische Volksmusik einfliesst.
Alle Stücke wurden von Marcin Langer und Guido Grospietsch bearbeitet
und vom Pindakaas Saxophon Quartett so verblüffend intoniert, dass man
stellenweise tatsächlich glauben konnte, man hät te ein Streich-Kammerensemble
oder eine Orgel vor sich.
Eine «Gameboy-Fantasy» von
Marcin Langer
Jetzt folgte vom Sopransaxophonisten Marcin Langer die «Gameboy-Fantasy».
«Seit etwa 10 Jahren traktieren uns die Kinder mit diesen Gameboys...
Was kompositorisch in diesen Spielen vor sich geht, ist nicht von schlechten
Eltern!», stellen die Musiker in ihrem Kommentar fest. Langer nimmt
die Art dieser Töne auf und überführt sie in ein kurzweiliges,
lustiges, modernes Klangbild. Eine ausgezeichnete Idee, eine wunderbare Komposition,
eine brillante Interpretation. Vom französischen Impressionisten Claude
Debussy (1862-1918) sodann die verträumte Flötenmusik «Der
kleine Schafhirte» und der Ragtime «Hampelmanns Tanz» aus
«Children's Corner», dann die frechen, zirkusartigen Melodienvorgetragen,
aus «Villageoises» von Francis Poulenc (1899-1963).
Tango und Jazz
Romantische spanische Musik von Antonio Vives (1887-1932) und vom argentinischen
König des Tangos, Astor Piazzolla (1921-1993) ein Tango, der ursprünglich
natürlich mit dem Bandoneon gespielt wird. Und das begeisterte Publikum
wurde schliesslich mit drei Zugaben be- schenkt: von Jean Matitia (geboren
1952) der parodistische «Chinese Rag», dann der «Baby Elephant
Walk» vom Italo-Amerikaner Henry Mancini (der unter anderem auch die
Filmmusik zu «Pink Panther» und «Breakfast at Tiffany's»
schrieb). Allerletzte Zugabe war die lyrische Ballade «Round Midnight»
vom grossen Jazz-Pianisten Thelonious Monk (1920-1982).
Wer diesen Sonntag- abend verpasst hat, ist wirklich selber schuld.

Fricktaler Zeitung (Rheinfelden/Schweiz)
04.04.2003