rot Ruhr Nachrichten, 07.07. 2008

Detailverliebt und mit sehr viel Gefühl

Holsterhausen

Klassikfestival erstmalig in Antoniuskirche

Was in zwei Sturmnächten vor fast 70 Jahren die Gemeinde St. Antonius ins Unglück stürzte, erwies sich nun, am Samstag, wieder einmal als wahrer Glücksfall. Das „Paradies", der zum Innenhof umfunktionierte, damals eingestürzte Teil des Kirchenschiffs, bildete das perfekte akustische und optische Ambiente für den Auftritt des „Pindakaas Saxophon Quartetts".

Vor rund 80 Besuchern präsentierten die sehr gut aufgelegten Musiker im Rahmen des Europäischen Klassikfestivals Ruhr 2008 mit ihrem Programm „Phantasia" eine mitreißende musikalische Expedition. Detailverliebt und mit viel Gefühl durchforsteten Marcin Langer (Sopransaxophon, Querflöte), Guido Grospietsch (Altsaxophon}, Anja Heix (Tenorsaxophon) und Matthias Schröder (Baritonsaxophon) musikalische Miniaturen, melodische Malereien, Theater- und Programmmusiken und Kompositionen für Filme.

Selten Gehörtes wie Albert Ketelbeys Vaudeville-artige Musik, die die fantasievolle Eindrücke eines persischen Markts hörbar machte, und Claude Debussys „Golliwogg's cakewalk" oder auch der „Totentanz" des zeitgenössischen Frankfurter Komponisten Bastian Fiebig standen harmonisch Seite an Seite, wie auch Benjamin Brittens „Two insect pieces" und allseits bekannte Melodien aus Walt Disney-Filmen.

Der warme Klang und der ebenso aufrüttelnde wie milde Ton der Instrumente erfüllte das „Paradies" von St. Antonius und die Zuhörer genossen sichtlich die Reise zwischen klassisch anmutenden Elementen, Anleihen aus dem Jazz oder orientalischen und lateinamerikanischen Einflüssen, die sich quer durch das ganze Programm zogen. Sehr unterhaltsam Diese mal leichte, mal eindringliche Unterhaltung, gepaart mit außerordentlicher Musikalität und kompositorischer Finesse, führte das Publikum durch sämtliche Gefühlslagen von sehnsüchtig-traurig bis hin zu ironisch-lustigen Elementen, wie etwa in Marcin Langers Eigenkomposition „Gameboy-Fantasy".

Zudem erwiesen sich die Musiker des „Pindakaas"-Quartetts auch als exzellente Moderatoren und führten in eigenen Worten oder Prosa und Lyrik rezitierend anschaulich durch ihr „Phantasia". • KGö

 KGö

 


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Im optisch wie akustisch perfekten Ambiente des „Paradieses"der St. Antoniuskirche lud das „Pindakaas Saxophon Quartett"wenigstens eine „Halbzeit" zur musikalischen Fantasiereise bis der Regen einen Umzug
in die Kirche notwendig machte.
Foto Gott