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Musik voller Leichtigkeit und
voller Schwermut zugleich

Festival Nieder-Mooser Orgelkonzerte 2007

Pindakaas und Countertenor Joachim Diessner von Isensee
begeisterten mit ihrem Konzert


NIEDER-MOOS (mp). Szenenapplaus und rauschenden Beifall gab es für „Liebes Leid & Lebens Freud" - das Nieder-Mooser Konzert, das am Samstag in der ehrwürdigen Kirche des kleinen Dorfes stattfand.

Etwa 400 Besucher bestanden rhythmisch auf ihrer Forderung, und die 17 Jahre alte
Formation Pindakaas ließ sich nicht zweimal bitten. Bewegend die Zugabe, wie zugeschnitten auf die Stimme des Sängers:
„Der Mond ist aufgegangen" war der stimmungsvolle Schlusspunkt eines gut
zweistündigen Konzerts.

Voller Eigenheiten war es, von denen mit die herausragendste wohl die Besetzung der Instrumente war - Saxophone, mit denen die Stücke aus Barock und Renaissance gespielt wurden. Hinzu kam der in diesem Zusammenhang ungewöhnliche Einsatz des herausragenden Countertenors Joachim Diessner von Isensee, der sich ebenfalls als Könner auf der Orgel präsentierte.

„Hoffentlich sind die Saxophone nicht so laut!" So hatte es der Organisator der
Nieder-Mooser Orgelkonzerte, Alexander Eitler, gleich zu Beginn von einem Besu-
cher aufgeschnappt. Eine Befürchtung, die sich in keiner Weise erfüllte. Abgesehen
davon lernte man die sinnlich geschwungenen und mit dem weichen Klang versehenen Holzblasinstrumente einmai von einer ganz anderen Seite kennen. Übernahmen sie an diesem Abend doch in der Hauptsache die Rolle mittelalterlicher Instrumente. Unter der mächtigen Kanzel des alten Querschiffs saßen sich die jungen Musiker aus dem Ruhrgebiet gegenüber. Bewegend, gefühlvoll, mit einem fast zärtlichen Einstieg wurde das Publikum ohne Umschweife und wie auf Federn in die musikalische Welt des Mittelalters hinübergeleitet - voller Leichtigkeit und voller Schwermut zugleich, eine Welt, die an der Seele kratzt.

Und dann stand er plötzlich in der Mitte des Halbkreises von Alt-, Tenor-, Bariton-
und Sopran-Saxophon, dieser junge Mann im schwarzen Gehrock, den er in Graz von
der Stange gekauft hat. Ohrringe, mit einem wuscheligen Mozartzopf, dessen kupferfarbener Schimmer schon etwas auszusagen schien über die Art dieses Energiebündels.
Joachim Diessnervon Isensee fügte sich ein in das Ensemble mit seiner weichen und
harmonischen Stimme, mit der er im Übrigen das Publiukum durchgängig zu faszi-
nieren wusste. Wie einen Teppich bereiteten ihm die Saxophone eine Grundlage für die äußerst schwer zu singenden Arien.
An der historischen Orgel erlebte man das Multitalent von Joachim Diessner bei-
spielsweise mit Stücken von Johann Pachelbel. Im Gespräch hinter den Kulissen
erfuhr man, dass er von Kind auf Klavier gespielt hat und dass seine absolute Vorlie-
be für klassische Musik als kleiner Junge begann, als ihm die Großmutter eine Lang-
spielplatte von Mozart schenkte. Zweiein- halb Jahre Theologiestudium folgten spä-ter, bevor der Künstler endgültig den Weg des Sängers und des Instrumentalisten ein-
schlug.
Ein Konzert, das die mittelalterliche Burg mit ihren starren Zinnen, in denen
Burgfräulein und Ritter Liebesfreud und Liebesleid ©hebten, zum Anfassen nahe
heran brachte. Barocke Klänge konnte man erleben aus einer Zeit der schneeweiß
geschminkten Damen, in der die Lust zur Klage und die Lust an der Wehmut Mode
war. Saxophone und Orgel bestätigten das in einem genialen Dialog.

Diesbezüglich eine Premiere mit speziell für die Nieder-Mooser Orgel arrangierten Stücken. Noch etwas beherrschten die Musiker: Dass man der Schwermut voller Übermut entfliegen kann. Dazu gehörte ein lebendig und beschwingend serviertes und vom Countertenor begleitetes Stück von John Dowland.
Geschichtliche Hintergründe wurden durch eine lockere Moderation erläutert.





rot Lauterbacher Anzeiger, 20.08.2007