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Kurze Lieder über der Liebe Leid


Pindakaas in der Friedenskapelle

Münster. Da möchte man zum Spitzentaschentuch greifen und sich verschämt ein Tränchen abwischen – oder das Tüchlein besser gleich dem Countertenor in die Hand drücken. Und das arg strapazierte Ding danach dem klagenden Sopransaxofon aufmunternd zuwerfen. Aber bald schon klingt es drängender und vitaler, die gewollte musikalische Krisis entpuppt sich als ein Vollgenuss für nah am Wasser gebaute Seelchen.

Denn John Dowlands „Flow my Tears“ soll nun einmal zu Herzen gehen. Das stellten das „Pindakaas Saxophon Quartett“ und der Countertenor Joachim Diessner von Isensee schön heraus. Saxofone und Dowland? Sicher, es ist nicht unbedingt nahe liegend, diese wunderbare alte Musik mit den famosen Meisterstücken des Adolphe Sax zu besetzen, aber es geht gut. Das Pindakaas-Saxofon-Quartett hatte Lieder Dowlands, die allesamt von der Liebe und dem Leben handeln, ausgesucht und mischte sie mit ebenso hübschen Werken Orlando di Lassos und Tilman Susatos bis hin zu Händel und Bach.

Manchmal vermisste man zwar im immer schönen, warmen, dynamisch leider nicht allzu flexiblen Saxofonsatz die bunte Klangpalette der alten Musik, man suchte auch die eleganten Attitüden des Barock vergeblich. Ein Vorteil dieses Programms: lauter kurze, bunte Nummern, die schönsten ihrer Art, wohlüberlegt ausgewählt und gut musiziert. Dies war eben auch der Nachteil: lauter kurze, schöne Nummern, wo man vielleicht gerne mehr aus derselben Feder gehört hätte.

Trotzdem war es in der Friedenskapelle ein ungewöhnlicher und schöner Musikgenuss, der vom Countertenor Joachim Diessner gekrönt wurde. Leicht und elegant kam er fast mühelos über den vollen Saxofonsatz hinweg, die rot gefärbte Mähne wallte zu „Liebes Leid und Lebens Freud“ (so der gut gewählte Titel des Programms). Ob in Johann Steuerleins „Wie lieblich ist der Maien“ freudig die Geliebte herbeisehnend oder auskunftsfreudig von der „Kunst des Küssens“ im Liede Hammerschmidts erzählend.

Fast wollte man noch mehr Details über diese Kunst hören, so schön sang er davon. Am Ende gab es ein schlicht gesungenes „Der Mond ist aufgegangen“ als zweite Zugabe, wunderbar.

  ▪ Heike Eickhoff




Konzert mit Joachim Diesner von Isensee

rot Westfälische Nachrichten, 26.02.2008