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Neues Leben für alte Stücke


Das Saxophon-Quartett Pindakaas brillierte beim Orgelfestival

Mülheim/Ruhr. Wer in den 70ern zu Pfingsten öfters beim New-Jazz-Festival Moers zu Gast war, konnte schon mal den Glauben an das Saxophon verlieren. Ausgerechnet beim Orgelfestival im Gotteshaus St. Mariä Geburt auf dem Kirchenhügel konnte er jetzt den Glauben wiederfinden. So brillant spielte das renommierte Saxophon-Quartett Pindakaas am Donnerstag Abend (un)bekannte Werke der Renaissance und des Barock. Leitmotiv: "Liebes Leid & Lebens Freud".

Oer Belgier Adolphe Saxe erfand das Saxofon erst 1840. Seitdem lässt das gebogene, langhalsige Holzblasinstrument im Jazz, aber auch im Rock und Jazz, kräftig von sich hören. Die Klassik war für das Saxophon weitgehend tabu. Bisher ...

... denn seit wenigen Jahren vertont Pindakaas, ein hochmusikalisches Quartett aus dem westlichen Ruhrgebiet, klassische Werke ausschließlich mit Saxophonen. Wie Marcin Langer (Sopransaxophon), Guido Grospietsch (Altsax.), Anja Heix (Tenorsaxophon) und Mathias Schröder (Bariton) alten Stücken neues Leben einhauchen, ist originell, unkonventionell und absolut hörenswert.

Vor allem aber stimmt die musikalische Qualität: Selten umspielten sich mehrere Saxofone gleichzeitig so virtuos, harmonierten und waren so perfekt aufeinander abgestimmt. Höhepunkt waren die Interpretationen der Werke des gebürtigen Iren John Dowland (1562-1626), der zu Zeiten von Queen Elizabeth 1., Hofkomponist in London war: Die melancholischen "What if I never speed?, "It my complaints could passions move", "Go chrystal te ars" oder das beschwingte "Fine knacks for Ladies" waren allesamt ein Ohrenschmaus.

Unterstützt wurde das Quartett aus Duisburg, Essen, Oberhausen und Beuthen vom jungen Countertenor Joachim Diessner von Isensee aus Köln, der u.a. Orlando di Lassos (1532-1592) Madrigal "Suzanne ung jour", Andreas Hammerschmidts (1611-1675) "Die Kunst des Küssens", Henry Pucells (1659-1695) "Music for a while" oder Andre Hellers (1947-) "Schnitterlied" sang, helltönend und mit feiner Koloratur.

Diessner, studierter Theologe und Sänger, begleitete Pindakaas auch kongenial an der volltönenden Kirchenorgel, etwa bei Michael Prateorius' (1571-1621) "Meine Seel erhebt den Herrn" oder bei Aurelio Bonellis (1570-1630) "Toccata" für Blasinstrumente und Orgel. Dazwischen boten Pindakaas Instrumentals und Rezitationen, etwa von Else Lasker-Schüler (1869-1945). Ein Abend für rund hundert Genießer.



  ▪ Martin Krampitz





rot WAZ, 08.10.2010