„Fränkischer Sommer”: Das Pindakaas Saxophon Quartett
Klingende Kindheit
Wie Komponisten für die lieben Kleinen schreiben
Neuendettelsau
- Querdenken
muss sein. Gerade in einer Konzert-Reihe wie dem „Fränkischen Sommer",
wo es nicht nur, um die geht, die sowieso gern ,,ernste" Musik hören.
Die vielen anderen kann man vielleicht mit einem Programm „fangen",
das sich mit dem unverwüstlichen Thema „Kindheit" auseinander
setzt und von einer ziemlich ungewöhnlichen Combo realisiert wird:
Die,, Kinderszenen"-Matinee mit dem „Pindakaas Saxophon Quartett"
geriet in der Neuendettelsauer Laurentiuskirche entsprechend exzeptionell.
Hinter
berühmten Vorbildern wie etwa dem Rascher-Saxophon-Quartett müssen
sich Marcin Langer (Sopransax), Guido Grospietsch (Altsax), Anja Heix (Tenorsax)
und Matthias Schröder (Baritonsax) nicht verstecken, sie können
hinsichtlich der spieltechnischen Akkuratesse und interpretatorischen Durcharbeitung
problemlos mithalten.
Dass sich der Herrendreier mit Dame bevorzugt um ungewöhnliches Repertoire
kümmert, hat nicht nur etwas mit der Überlebensstrategie auf einem
Klassik-Markt zu tun, auf dem sich mittlerweile auch die entlegensten Besetzungen
in unüber-schaubarer Zahl tummeln. Dies ist auch Ergebnis jenes eingangs
erwähnten Prozesses des Querdenkens: Es gilt, sich dem Bekannten aus
neuen Perspektiven zu nähern, bisherige Bezüglichkeiten zu hinterfragen
und so Wege aus der Routine,
aus der Langeweile zu finden.
Wie geschmiert
Pindakaas ist übrigens der holländische Ausdruck für Erdnussbutter
-
und eben so gut geschmiert gehen die intelligenten Arrangements dieses Quartetts
ins Ohr. Dabei ist es zweitrangig, ob sich „Pindakaas" Robert Schumanns
„Kinderszenen" oder Tschaikowskys „Kinderalbum" annimmt
- die Übertragung der Klavieroriginale gelingt stimmig und stimmungsvoll,
wenngleich manchmal fast zu vollfett opulent, zu strahlend. So würde
man sich Maurice Ravels „Pavane" gebrochener und melancholischer
wünschen, das jiddische Traditional „Schtiller, schtiller"
klezmeresk schräger und nicht so perfektionistisch, aber das sind Ge-
schmacksnuancen.
Hüpfende Pokemons
Dafür
kommen Francis Poulencs „Villageoises" so frech und unkonventionell
daher, wie die Kinder, die der Komponist wohl vor dem inneren Auge hatte,
als er diese Pro-
grammmusik schrieb. Ähnlich anschauliche Wirkung hat der „Hartnäckige
kleine Bruder" aus Dmitri Kabalewskis Klavierstücken op. 27 -bei
„Pindakaas" ein launiger Dialog zwischen Marcin Langers Flöte
undSchröders Baritonsax.
Eine geistreiche
Paraphrase auf das Synthesizer-Geblubber der Unterhaltung-sindustrie ist Langer
mit seiner „ Gameboy-Fantasy" gelungen: Hier sieht man die Pokemons
förmlich über den Mini-Bildschirm laufen.
Folkloristisch
Bela Bartöks Sammlung „Für Kinder", intim und introvertiert
Debussys „Children's Corner", aus der vor allem „Golliwogg's
Cakewalk" im Gedächtnis bleibt, weil der Jazztanz klingt, als sei
er eigens für Saxophonquartett komponiert worden. Dagegen klingen Chick
Coreas „Children's Songs" erstaunlich „unjazzig", stehen
stilistisch eher den amerikanischen Minimalisten nahe - es ist in diesen Tagen
nicht mehr so einfach, K ind zu sein. (Hans von
Draminski)

Musikalische Querdenker: das Pindakaas Saxophon Quartett beim Konzert in St. Laurentius zu Neuendettelsau. Foto: Draminski
Fränkische Landeszeitung,
10.08.2004