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Mozart die Butter vom Brot genommen



Der göttliche Wolfgang Amadeus Mozart war in Wirklichkeit ein derber Bursche. Wer
heute seine intimen Briefe sieht (die unverschämterweise hundertfach veröffentlicht
wurden), lacht sich immer noch kringelig oder wird rot.
Doch selbst seine eingefleischten Fans dürften nicht wissen, dass Mozart ein Mu-
sikstück inil dem Titel „Das Butterbrot" "komponiert hat.
Man hört darin ein Schmiermesser hin und her schrappen. Wie ungöttlich!

Zu erleben ist das lustige kleine Stück auf der neuen CD „Kinderszenen" des
münsterschen Pindakaas Quartetts. Die vier Saxofonisten haben berühmte Kinder-
Klavierstücke großer Komponisten für ihre Besetzung neu arrangiert.
Und dabei vielfach verbessert.

Zum Beispiel die „Kinderszenen" von Robert Schumann. Jeder Klavierschüler muss sie spielen, nicht jeder liebt sie. Aber das Stück „Fürchtenmachen" klingt mit
vier Saxofonen absolut unwiderstehlich. Kein Pianist könnte die ängstliche Melodie zu Beginn mit so schönem Legato und so klagendem Timbre spielen. Und schon gar nicht könnte er im plötzlich hereinbrechenden schnellen Teil so knarzig und schrummelig klingen - an dieser Stelle muss man als Hörer unwillkürlich losprusten.

Alle Stücke profitieren vom wandelbaren Klang der Saxofone, die „Pavane für eine tote Prinzessin" von Maurice Ravel mit ihren dunklen Farben ebenso wie der ungewohnt knackig und verjazzt klingende Peter Tschaikowsky in seinem "Kinderalbum". Zwischen der Musik gibt es spitzfindige Texte über das Leben der lieben Kleinen von Wilhelm Busch bis Bertold Brecht. Ein Spaß auch für erwachsene Hörer.

  ▪ Manuel Jennen






rot Münstersche Zeitung, 16.08.2007