Szenen aus Kindertagen
Pindakaas Quartett in der Johanneskirche
von Bernd Boie
Villingen-Schwenningen.
Das evangelische Bezirkskantorat lud zu einem lehrreichen und kurzweiligen
Konzert in die abendliche Johanneskirche ein. Ein Saxophon-Quartett aus Münster
spielte gratis zur Freude zahlreicher Interessenten im stimmungsvollen Chor
der Villinger Johanneskirche vielseitige Musik.
Für Saxophon-Quartett gibt es kaum
originale Musik. So waren es denn fast ausschließlich Arrangements.
Es begann mit Werken der Renaissance von Lasso, Janneqin und Unbekannten des
15. Jahrhunderts. Zwar ungewohnt, aber durchaus sinnvoll erklangen diese Stücke
in fast archaischem Klanggewand. Für die damalige Zeit waren Arrangements
keine Probleme: Die Instrumente, die man hatte, wurden eingesetzt. Nur Instrumentenfamilien
mussten es sein.
Hier waren es eben Sopran-, Alt-, Tenor- und Bariton-Saxophon. Bach (zum Beispiel
italienische Orchesterwerke für Orgel), Mozart (zum Beispiel Händels
Messias) und andere arrangierten Werke, die sie dafür geeignet hielten.
Anders war es bei der »Gameboy-Fantasy«
von Martin Langer (geboren 1956), Debussys Auswahl aus »Children's Corner«
oder Poulencs »Valse Tyrolienne«, Schmissig, melancholisch, rhythmisch
anmachend. lustig.Spanisch klang Antonio Vives »Sardana« witzig-spritzig.
Jiddische Klezmer-Musik in der Art eines Potpourri zum Gedenken an den ehemaligen
jüdischen Synagogensaal in der Gerberstraße kam traurig, lustig,
sentimental, fetzig daher und erntete spontanen Beifall. Zugaben, die an Qualität
und Musikalität fast das Beste des Programms boten, gab es für das
begeisterte Publikum.
Die vier Musiker leisteten Erhebliches
in Qualität der Ausführung, Intonation, Dynamik. Rhythmik, Klangfarbe
und musikantischem Schwung. Dazu kam eine launige Moderation. Das Saxophon
kann eben nicht nur in Jazz, Pop, Volksmusik, sondern auch im klassischen
Sektor Überzeugendes leisten, wie in diesem Programm deutlich wurde.
Eine gute Idee!

Schwarzwälder Bote, 01.04.2003