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„Saxophonisch durch die Musikgeschichte”

Herzebrock-Clarholz (gl).

So seltsam wie ihr Name, so ungewöhnlich auch das Programm:
Im voll besetzten Kapitelsaal der Propstei Clarholz präsentierten
die vier Saxophonisten, die sich mit „Pindakaas" den kuriosen Namen
einer holländischen Erdnussbutter zugelegt haben, ihren „Dialog mit
alter Musik".

Dabei erwiesen sich die Künstler allesamt als hoch qualifizierte Virtuosen an
ihrem Instrument:
Marcin Langer (Sopransaxophon), Guido Grospietsch (Altsaxophon), Melanie Werner (Tenorsaxophon) und Matthias Schröder (Baritonsaxophon). Sie beeindruckten durch sensible Musikalität ebenso wie durch technische Perfektion, die die oft
schwierige Polyphonie der Renaissancemusik mühelos meisterte.

Die Vortragsfolge stützte sich auf alte Meister und bewies, dass das vor gut 150 Jahren von A. J. Sax erfundene Instrument zu weitaus mehr eignet als nur zum Jazz und zur Unterhaltungsmusik. In diesem Fall traten die Saxophone an die Stelle originaler Lautenmusik; wie sie zur kulturell hochrangigen Epoche von Königin Elizabeth I. am englischen Hof erklang.

Im Mittelpunkt des Konzertes stand John Dowland (1562-1626), der zu seiner Zeit berühmteste Komponist Englands. Weit spannte sich der Bogen seiner Liedkompositionen von weltschmerzlicher Elegie bis zu ausgelassener Spielmannsfreude, für die mit dem Countertenor Joachim Diessner ein wahres Stimmwunder aufgeboten worden war.

Ob in der gefühlvollen Emphase seines Auftrittsliedes („What if I never speed"), ob die synkopische Liebesromanze „Come again" oder das tief traurige „Flow my Tears" - immer war der junge Solist liedgestaltend und mit musikalischer Feinfühligkeit bei der Sache. Seine falsetttierende Stimme, auch Altus genannt, erreicht dabei nahezu die Lage eines Frauenalt und erklimmt bisweilen die Höhenregionen des Knabensoprans.

Unter den alten Meistern hatte auch der unvermeidbare Johann Sebastian Bach seinen Platz. Im Contrapunctus I (BWV 1080) seiner berühmten Klavierfolge „Kunst der Fuge" arbeitet das Hauptthema die drei Ausführungen der einfachen Fuge aus, während im Präludium und Fuge III (BWV 555) der ausdrucksvolle Stimmdialog sich zum chroma isch aufsteigenden Thema im Dreivierteltakt steigert.

Französische Renaissanceweisen, Orlando di Lasso, Henry Purcell und die beschwingte Anmut von Giovanni Gabrielis venezianischer Canzone sorgten für das musikalische Beiwerk des beeindruckenden Konzerts, das begeisterten Beifall fand und mit zwei Zugaben beschlossen wurde. Es verstand sich als Beitrag der Reihe „Kultur im Kapitelsaal", auf die eingangs Prof. Dr. Johannes Meier für den Freun-
deskreis Propstei Clarholz hingewiesen hatte.
(Dr. Ulrich Gehre)





rot Die Glocke, 13.05.2004