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"Denk ich an Deutschland..."


Nachdenkliche Texte und "singende Saxophone" berichten von Exil und Freiheit"

von Wolfram Offerbeck

Sendenhorst. Da hatte Jürgen Krass nicht zu viel versprochen:
Die Gäste im Haus Siekmann erlebten am Sonntagnachmittag eine Veranstaltung der ganz besonderen "Dhrwurmqualität''. Nicht nur die Musiker konnten begeistern, die "Ballads of Good Life" stimmten die Zuhörer zuweilen recht nachdenklich. Denn die dort vorgetragenen Geschichten berichteten nicht nur vom guten Leben in Freiheit, sondern auch von "Deutschland, das die Hölle war".

Es wurde insgesamt ein Nachmittag mit Musik über "Exil und Freiheit", der das Publikum zu einer musikalisch-literarischen Reise von Berlin über Hamburg nach New York einlud.
Auf den Spuren von Kurt Weill, Astor Piazzolla und Igor Strawinski, deren Wege sich in ihrem Exil in Manhattan häufig kreuzten, waren vom "Pindakaas-Saxophon-Quartett" von der "Dreigroschenoper" bis zum Tango Melodien zu hören, die das Publikum sehr begeisterten. Die Musiker sorgten dafür, dass die vom Schauspieler Frank Dukowski vorgetragenen Geschichten mit anspruchsvoller Musik weiter vertieft wurden.
Zum ersten Mal standen der Schauspieler, der manchem auch aus dem "Tatort" bekannt sein dürfte, und die Musiker gemeinsam auf der Bühne.
Aber es wird sicher nicht das letzte Mal gewesen sein. Denn durch die von Frank Dukowski frei und mit viel Einfühlungsvermögen in unterschiedlichen Kostümen rezitierten und zum Teil auch gesungenen Texte von Berthold Brecht, Kurt Tucholsky, Hermann Hesse, Franz Kafka und anderen wurden dann die Musikinstrumente
der hervorragenden Musikanten geradezu zu singenden Saxofonen, die das eben Gehörte aus den Texten beeindruckend vertieften.

Das Exil und die Freiheit spielten in diesen Texten eine wichtige Rolle, weil gerade im
20. Jahrhundert wegen der Diktaturen und sozialen Migrationen viele Schriftsteller, Künstler und Musiker und Komponisten ins Exil nach Paris, London und New York gingen, um dort die Freiheit zu erleben. Wie sie diese und anderes dann erfuhren, gaben die Schriftsteller in verschiedenenTexten zum Ausdruck, die von der "Dreigroschenoper" bis zum Tango dann ihre musikalische Note bekamen.
Da war die "Ballade vom angenehmen Leben" zu hören, aber auch von "Protesten gegen die Dreigroschenoper", von "Joebbels, dem kleinen Mann, der nicht wichtig war". Auch die Geschichte vom "Freund, ein guter Freund" wurde erzählt und gespielt. Die Zuhörer erfuhren, was "nachts in der Kabine und in Amerika" geschah, mussten sich anhören, was jemand bei "Denk ich an Deutschland" empfand, und es kam die "Moritat von Mackie Messer" ebenso in die Köpfe wie die "Schicksalsreise".

.Mit dem Choral von Kurt Weill sollte der Nachmittag enden. Aber da verlangten die Zuhörer vehement Zugaben, denn ihr Beifall zeigte, dass der veranstaltende Förderverein Haus Siekmann wieder einmal eine ausgezeichnete Veranstaltung präsentiert hatte, deren Schluss mit "Good bye, Jonny - EinesTages sind wir wieder vereint ..." schon auf die nächste Musikveranstaltung am 6. Dezember im Haus freuen lässt.



Ballads_sendenhorst
Das..Pindakaas-Saxophon-Quartett"und FrankDukowski (re.)sorgten für nachdenkliche
Stunden auf der Tenne des Hauses Siekmann. Foto: Opperbeck

rot Westfälische Nachrichten, 17. November 2009