Sabine Mueller
.
Das Saxophon Quartett Pindakaas entführt auf neuer CD in die Welt der 1920er Jahre zu Weill und Piazzolla
Münster- Auf dem persischen Markt herrscht Hektik. Es wird gefeilscht, getratscht, lauthals Ware feilgeboten. Albert Ketèlbeys Musik „In a Persian Market“ hört sich an, als stehe man mitten im bunten Treiben. Das Stück ist knapp 7 Minuten lang, 90 Jahre alt, fast vergessen.
Das münstersche Saxophon Quartett Pindakaas hat auf seiner neuen, mittlerweile siebten CD dieses Stückchen Musikgeschichte vom Staub befreit. „Die jüngste Einspielung, die wir gefunden haben, war 50 Jahre alt“ erzählt Ensemblemitglied Matthias Schröder. Kollege Guido Grospietsch schrieb ein neues Arrangement. Es klingt frech und frisch und fremd. Zickig und zackig. Mackie Messer in Blech. Ein Schattendasein führte Ketèlbey zu seinen Lebzeiten im London der 1920er Jahre nicht. Seine vergnüglichen und überaus bildhaften Kompositionen waren beliebt, wurden in so genannten
Vaudeville-Theatern gespielt, die Varieté-Shows zeigten. „Es war die Zeit kurz vor dem Tonfilm, wo in den Revuetheatern halbnackte Frauen mit Diadem über die Bühne schaukelten“, beschreibt Schröder. Je exotischer Bühnenbild und Musik, desto besser.
Wirtschaftskrise – Der irritierende Titel der CD „Ballads of Good Life“ - Balladen eines guten Lebens – erinnert aber auch daran, dass es die Zeit der Wirtschaftskrise und politischer Unterdrückung war. Die Zeit als die ersten Künstler ins Exil gingen. Einer von ihnen war Kurt Weill. Fast die Hälfte der CD ist dem Dessauer Komponisten gewidmet. Marcin Langer hat einige Stücke aus Kurt Weills „Dreigroschenoper“ für Blechbläser neu bearbeitet. Ein aufregender, ungewohnter Klang, ein feines, elegantes Arrangement. Von dem war auch der renommierte Verlag Universal Edition Wien so begeistert, dass dort im kommenden Jahr die Notenedition der von Pindakaas arrangierten Stücke erscheint.
Mit dem herzzerreißenden „Cafe 1930“ und dem heißen „Libertango“ wenden sich die Bläser dem nächsten großen Exilkünstler und Tangokomponisten zu: Astor Piazzolla.
Die Ersteinspielung des zeitgenössischen „Totentanz“ von Bastian Fiebig fällt zwar zeitlich aus dem Rahmen, die Stimmung passt allerdings perfekt in die 20er.
Vier kurze aber intensive Klezmer-Tupfen fügen sich an Kurt Weills todtrauriges „Lost in the Stars“ beendet diese unbedingt hörenswerte Reise in die bittersüße Zeit.
muensterschezeitung.de